Ottbergen

  • Im 15-ständigen Ringlokschuppen Ottbergen wurden die schweren Dampfkolosse aus der Güterzuglokbaureihe 44 gewartet und repariert. Das zu sehende Modell hat der Schweizer Eisenbahnexperte Bernard Huguenin in CAD gezeichnet und aus Messing anfertigen lassen. Foto: Andreas Stirl
  • Überblick über das Bahnbetriebswerk (Bw). Am Kohlenkran, der sich bewegen kann, wird eine 44er bekohlt. Der blau lackierte Bagger Bauart Fuchs ist ein Hilfsbekohlungskran. Nicht nur Dampfloks werden in Ottbergen versorgt, an der Dieseltankstelle versorgt sich eine V100. Foto: Gerard Tombroek
  • War der Ottberger Bahnhof wirklich so groß? Ja, hier wurden Lokomotiven beheimatet, Züge gebildet und Güter umgeschlagen. Die Bahnhofsmeisterei links neben dem zweiteiligen roten Schienenbus schloss die Deutsche Bundesbahn erst 1979. Im Hintergrund ist das Bw zu sehen. Foto: Stephan Rieche
  • Die 2.200 Tonnen schweren Erzzüge aus den Harzer Gruben gehörten zu den schwersten planmäßigen Zügen, die in Ottbergen zu sehen waren. Hier quert ein 44er Doppel den Bahnübergang an der B64, als Schublok hilft eine 50er (nicht im Bild) bis Altenbeken. Foto: Markus Tiedtke
  • 1975 kam der Zirkus noch mit der Bahn! An der Kopframpe neben dem Stellwerk Ow rangiert eine Diesellok aud der Baureihe 212. Sie soll dem Zirkus von der Schiene auf die Straße helfen. Vorne hat der Wagenmeister etwas mit dem Zirkusdirektor zu besprechen. Foto: Markus Tiedtke
  • Dieses Motiv - einmal von den Dampflokomotivstars abgesehen - ist heute noch so beim Radeln entlang des R2 zu erleben. Am langen Ottberger Bahndamm überbrückt ein Fischbauchträger den kleinen Weserzufluss namens Nethe. Ottbergen wird manchmal als Nethedorf bezeichnet. Foto: Markus Tiedtke
  • Die Eisenbahnersiedlung „Klein Hamburg“ sieht noch heute so aus wie vor über 45 Jahren. Wer auf der Bundesstraße 64 an diesen Häusern vorbeifährt, erkennt die Szene in Ottbergen umgehend wieder. Foto: Markus Tiedtke
  • Jetzt kannst du das Vorbild mit dem Modell vergleichen. Mitte der 1970er fotografierten die Brüder Huguenin aus der Lokleitung heraus, wie eine 44er auf der Drehscheibe gedreht wird.
  • Und eine ähnliche Szene im Modell. Das Gebäude rechts im Anschnitt ist die Ottberger Lokleitung. Die Gleisharfe im Vordergrund ist wie der Lokschuppen und der Antrieb für die Drehscheibe eine Sonderanfertigung. Foto: Markus Tiedtke
  • Die Ottberger Drehscheibe war mit ihrem Sondermaß von 20,5 Metern für eine 01 mit Normaltender zu kurz, eine 44er passte vom Radstand soeben. Knapp ist es auch im Modell, die Lok wird computergesteuert mittig gefahren, dann bleiben vorn und hinten knapp 2 mm Platz. Foto: Markus Tiedtke
  • Das Bahnbetriebswerk in östlicher Blickrichtung. Zwischen der Lokleitung und dem Wasserturm sind die Behandlungsanlagen, u.a. der Schlackenkran, zu sehen. Eine 44er ist frisch restauriert. Sie rollt auf die Drehbühne und wird über Nacht im Ruhefeuer im Lokschuppen abgestellt. Foto: Markus Tiedtke
  • Ein Sonderzug rauscht über die stählerne Fischbauchträgerbrücke und stampft seinem Ziel Göttingen entgegen. Das Wartesignal am Galgen ist eine Ottberger Besonderheit, vielleicht war diese Konstruktion bei der DB sogar einzigartig. Foto: Gerard Tombroek
  • Alle 20 Minuten bricht die Nacht über das Weserbergland und den Teutoburger Wald hinein. Zum 30. Jahrestag des Ottberger Dampfabschieds inszenierte die Modellbundesbahn am 29. Mai 2006 für den Fotografen Andreas Stirl eine Lokparade.
  • Am 29. Mai 1976 endete die Dampflokzeit schlagartig - nicht nur in Ottbergen, sondern in der gesamten BD Hannover! Im Modell lebt sie weiter. Die Modellbundesbahn zeigt „in Deutschland die am genauesten nachgebauten Bahnhöfe im Modell.“ (Zitat Hagen von Ortloff, TV Sendung Eisenbahnromantik)

Bad Driburg

  • Überblick über den Bad Driburger Bahnhof. Der Eilzug nach Oberhausen hat einen Güterzug überholt und passiert den Bahnübergang an der Brunnenstraße. Links ist das Stellwerk Dwf im Bild, das Sandsteingebäude im Hintergrund ist die Güterabfertigung. Foto Stephan Rieche
  • Aus dem Stellwerk Dwf fotografierte Uli Preiß Mitte der 1970er die im Bw Ottbergen beheimatete 044 256-6 auf ihrem Weg nach Altenbeken. Zahlreiche Wagen an Güterabfertigung und Laderampe zeigen rege Betriebssamkeit im Bahnhof.
  • In den 1970er Jahren an der Bad Driburger Güterabfertigung. Die Gittermastleuchte gibt es als Bausatz von Weinert, der Güterschuppen und das Empfangsgebäude entstanden als Eigenentwicklung - mit einer Außergewöhnlichkeit. Das folgende Bild zeigt das Modell. Foto Slg Modellbundesbahn
  • Eigentlich sollte das Empfangsgebäude im Hintergrund ebenfalls aus Sollnhofener Plattenkalk gefräst werden, da dies zu aufwändig war, blieb der Güterschuppen ein Einzelstück aus echtem Stein. Foto: Markus Tiedtke
  • In den letzten Jahren des Dampfbetriebs strömten jedes Wochenende hunderte Fotografen ins Weserbergland. Sie gingen auf Dampflokjagd. Manche von ihnen knipsten ausschließlich Dampflokomotiven! So wie diese 2 cm kleine Person. Foto: Markus Tiedtke
  • Der Triebwagen wartet in Gleis 1 auf Weiterfahrt Richtung Brakel. In den 1970ern reisten zahlreiche Kurgäste mit der Bahn an. Rudi Außel aus der Fahrkartenausgabe zählte an einem Tag 246 Koffer, nur in der Ankunft - zwischengelagert im Treppenhaus! Foto Markus Tiedtke
  • Ein DC-Car-System sorgt für Action auf der Straße. Die Autos und LKW halten am Bahnübergang, passen auf, nicht in die Radarfalle zu tappen. Gerade fährt Carl Balke aus Holzminden über die Brakeler Straße zum Güterschuppen. Foto: Slg MBB
  • Überblick über den Bad Driburger Bahnhof. Am Stellwerk Do rauscht ein Kesselwagenzug zu Tal. Der in Gleis 3 zur Seite genommene Güterzug lässt vermuten, dass gleich in Gleis 2 ein Reisezug einfährt. Foto: Gerard Tombroek
  • Blick aus dem Stellwerk Dwf auf den Starzug der Strecke! Der Durchgangsgüterzug Dg 53842 von Herzberg nach Altenbeken - mit zwei Ottberger 44ern bespannt. Foto: Uli Preiß, Slg Modellbundesbahn
  • Diese Perspektive ist nur bei einem Blick hinter die Kulissen, bei einer Führung zu erleben. Blick auf den Bahnübergang am Stellwerk Do von der anderen Seite. Foto: Gerard Tombroek
  • Die Bushaltestelle an der Brakeler Straße auf Höhe der damaligen Glashütte. Der rote Bahnbus sammelt die Fahrgäste ein, gleich wird der Blinker gesetzt und die Fahrt geht weiter.Foto Markus Tiedtke

Weserbergland

  • Eine 44er rollt mit ihrem Güterzug talwärts ins Wesertal hinab, während ein Streckenläufer das Gegengleis kontrolliert. Nachgebaute Gebäude aus Ostwestfalen und dem südlichen Niedersachsen zieren diesen Anlagenabschnitt, der als einziger kein Nachbau ist. Foto: Markus Tiedtke
  • Ein zweiteiliger Schienenbus knattert durchs Weserbergland. Überraschendes bietet sich immer wieder in detailverliebter Landschaft, lustige Szenen und viele Knopfdruckaktionen sorgen beim Publikum für Spannung. Der Mähdrescher im Vordergrund ist Teil einer Knopfdruckaktion. Foto: Stephan Rieche
  • Diese in Fachwerkbauweise und mit einem Krüppelwalmdach errichtete Wassermühle Heller hat ihren Originalstandplatz im Freilichtmuseum Detmold. Bei der Modellbundesbahn rauscht der Mühlbach am Klapperweg. Abgebildet ist natürlich das Modell - natürlich? Foto: Markus Tiedtke
  • Kleine Szenen und Details warten darauf, von dir entdeckt zu werden. Foto: Markus Tiedtke
  • Sommer 1975. Während der Krieg in Vietnam endet, Led Zeppelin auf dem Höhepunkt ihres Schaffens musizieren und die Ölpreise um weitere zehn Prozent steigen, während all das die große Welt in Aufruhr versetzt, geht es im Weserbergland zwischen Ottbergen und Bad Driburg beschaulich zu. Foto: Stephan Rieche
  • Detailreiche kleine Szenen erfreuen das Herz. Die abgebildeten Gemüsepflücker wollen das in Westfalen beliebte Gericht Himmel und Erde zubereiten. Fehlen noch die Äpfel. Die beiden fleißigen Püppchen sind nur 2 cm klein. Foto: Slg MBB
  • Der Steinbruchbesitzer hat sich 1975 einen neuen Werbespruch ausgedacht: Wir machen Schotter. Ob das für genug Kohle, Knete oder Asche reicht? Auf rund zwei Quadratmetern Modellfläche erstreckt sich das Areal, schaut bitte die Villa an und urteilt selbst. Foto: Markus Tiedtke
  • Der Steinbruch ist im fantasievoll gestalteten Örtchen Weserstein Zuhause. Den Krach tagsüber sind die Bewohner gewohnt, aber seitdem die Bundesbahn den Bahnhof für den Personenverkehr stillgelegt und das Empfangsgebäude verkauft hat, sind viele unzufrieden. Foto: Markus Tiedtke
  • Der örtliche Motorradclub kaufte das Gebäude. Eine Hundertschaft Rocker baute es im Rekordtempo in eine Rockdisco um, und alltäglich schallen den Rockermädels und Jungs harte Klänge um die Ohren. Passend dazu Krallye, der Punk`N`Roller Baum. Foto: Stephan Rieche
  • Der Eilzug von Oberhausen nach Walkrenried ist verspätet unterwegs und muss zum Leidwesen der Fahrgäste vor dem Einfahrsignal Wesersteins warten. Wegen Motorschadens der Zuglok ist heute eine zweite V200 vorgespannt. Foto: Markus Tiedtke
  • Das winkelförmige, von einer Gräfte umschlossene, Wasserschloss Borlinghausen ist im Original in der Nähe Warburgs zu sehen. Bei der Modellbundesbahn thront das Gebäude mit dem achteckigen Treppenturm über dem Weserbergland. Foto: Slg MBB
  • Am Posten 29 zwischen Hembsen und Ottbergen ist eine 44er mit einem schweren Schotterzug am Haken zu beobachten. Foto: Slg MBB
  • Auch wenn`s brennt, der Mähdrescher heiß gelaufen ist - Ostwestfalen sind für ihre Coolness bekannt! Ganz gelassen wartet der Landwirt auf die Feuerwehr, die du ihm per Knopfdruck gerufen hast. Foto: Markus Tiedtke
  • Alle 20 Minuten wird es Nacht. Jetzt sind Szenen zu entdecken, die sich tagsüber deinen Blicken entziehen. Im Bild ist die Wesersteiner Disco Rebel`s Rock - Billy Idol war damals erst 20 und konnte sich unerkannt unter die Gäste mischen. Foto: Markus Tiedtke

Teutoburger Wald

  • Der Bauabschnitt Teutoburger Wald ist noch im Bau. Weit fortgeschritten ist der Landschaftsbau rund um das Hermannsdenkmal. Das Modell misst exakt 61,5 cm und wiegt gewaltige 2507 Gramm. Foto: Slg MBB
  • Ein Stückchen Modellwald in der Frühlingssonne im freien abgelichtet. In diesem Modul steckt ein ganzes Bündel innovativer Technik, lass dich überraschen ... aber nicht von Rudi Carrell. Foto: Slg MBB
  • Vor der Kulisse Europas längster Kalksandsteinbrücke (482 Meter, rund 34,5 Meter hoch) stieg am 8. Juli 2019 ein einmaliges Treffen, das Original und sein 5,52 Meter langes Modell. Foto: Slg MBB
  • Hier kannst du das kleine Viadukt am Originalschauplatz bei Neuenbeken mit seinem 1853 fertiggestellten Vorbild vergleichen. Im Herbst 2018 begegneten sich die beiden Viadukte. Foto: Slg MBB
  • Eine 1.000 jährige Eiche, sie ist rund 30 cm klein - oder groß, je nach Perspektive. Das Schild Sackgasse ist vor Jahrzehnten eingewachsen. Foto: Slg MBB

Ottbergen Vorbild

Wie sah Ottbergen 1975 aus, was machte seine Faszination aus? Bernard Huguenin aus unserem Planungsstab hat es wunderbar beschrieben. Als junger Student reiste er damals nach Ottbergen.

Bernard Huguenin: »Was mir Ottbergen bedeutet«

Am 29. Mai 2021 ist es 45 Jahre her, dass die Dampflok in Ottbergen ausgedient hat. Bis dahin zog Ottbergen Eisenbahnfreunde und Dampflokomotivliebhaber magisch an. Mich auch! Jeder von uns hat etwas in seinem Leben oder Gedankenwelt das als Zentral bezeichnet werden kann. Für mich ist es eindeutig Ottbergen, das Zentrum der Welt? Übertrieben? Nein, habe ich doch in Ottbergen recherchiert und für die Auswertungen, Zeichnungen und Niederschriften sogar mein Studium zwei Jahre lang unterbrochen.

Wie es dazu kam? Bis 1969 ahnte ich von dieser späteren Bedeutung noch nichts. Im Heft 3 des »Märklin-Magazins« vom September 1969 las ich einen Aufsatz von Gotthard Hartmann mit dem Titel »Die BR 044 – Güterzuglok für schwere Lasten«. Beigelegt war eine Skizze der Seitenansicht der 44er und auf der Vorderseite ein sehr schönes Bild der gepflegt aussehenden 044 070-1, die Wasser nahm. Auf dem Wasserturm entdeckte ich irgendetwas mit »…bergen«. Keine Ahnung, was das für ein Ort sein könnte. Heute messe ich diesem Bild natürlich eine ganz andere Bedeutung als damals zu. Die mysteriöse Aufschrift auf dem zylindrischen Gebäude habe ich längst entziffert und überhaupt bergen alle auf diesem Bild sichtbaren Elemente des Bw Ottbergen für mich keine Geheimnisse mehr.

Bild oben: Vom gleichen Standpunkt aus wie das Bild im Märklin-Magazin. Am 23. März 1976 aus dem Fenster im ersten Stockwerk der Lokleitung. Die Perspektive ist mittels eines 24 mm Weitwinkels weiträumiger. Im Hintergrund ist Ottbergens Wasserturm zu sehen. Die Schlosser in der Werkstatt haben es bei der zwo-zehn nicht geschafft, die Dampfpfeife ganz abzudichten.
1973 inspirierte ein erneuter Bericht eines Fachmagazins meinen Bruder François zu einer Reise nach Ottbergen. Ich blieb in der Schweiz. Ich stand kurz vor meinem Abitur. Für mich galt es, sich vorzubereiten; die Preisfrage einer solchen Reise einmal ganz außer Acht gelassen. Mein Bruder brachte aus seinen Osterferien schöne Fotos mit nach Hause. Er sagte, in Ottbergen herzlich empfangen worden zu sein. Ottbergen sei von der Größe her nicht mit dem Bw Ehrang vergleichbar, aber seine Landschaft wie geschaffen für die Eisenbahn. Da musste ich auch hin!
Bild unten: Diese Landschaft ist wie geschaffen für die (Modell)eisenbahn. Im Mai 1981 vom Stockberg aus fotografierter Sonnenaufgang. Der Ottberger Kirchturm wird renoviert und im Bahnhof auf Gleis 71 ist der »bunte« 624 Triebwagen bereit zur Abfahrt nach Göttingen. Übrigens: Grammatikalisch mag es anders sein, ein heimischer Ottberger (oder Ottbergerin) würde sich niemals als Ottbergener bezeichnen.
Das sollte zwei Jahre später endlich möglich werden. Mein Bruder war inzwischen als Assistent an der ETHZ (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) angestellt und würde seinen jüngeren Bruder (mich) einfach mitnehmen! Trotzdem war das Geld für die Reise knapp. So würden wir den Gürtel enger schnallen und uns nur mit einer richtigen Mahlzeit begnügen: dem Frühstück! Das war im Übernachtungspreis der Gaststätte enthalten.
Im August 1975 war es soweit: zum ersten Mal selbst in Ottbergen! François Schilderung war treffend: der Ort, die Landschaft war wunderbar! Der Bahnhof gigantisch. Warum nur war er im Verhältnis zur Größe des Ortes so riesig? Auf dem Bahnhof Ottbergen fehlten die in der Schweiz allgegenwärtigen Fahrleitungen mit ihren massiven Querträgern. Deshalb schien mir der Ottberger Himmel noch unendlicher zu sein. Ein neues Gefühl.
Wir waren mittags mit der Bahn in Ottbergen angekommen. Nur zu Fuß mobil, konzentrierten wir uns auf das Bahnbetriebswerk und den Bahnhof.
Bild oben: Die 044 209-5 ruhte auf dem Wartungskanal am Gleis 72. Wir beobachteten Schlosser und Werkmeister, die etwas an der Lok machten. Bis wir die Vokabel »etwas« gegen den Begriff Ganzprüfung austauschen konnten und deren Bedeutung verstanden, vergingen aber Monate.
Bild oben: Der Besuch im Bahnbetriebswerk musste in der Lokleitung angemeldet werden. Lokleiter Hermann C. (hinter der Glasscheibe) kassierte den Versicherungsbeitrag, danach durften wir uns frei an unserem Sehnsuchtsort bewegen. Die Aufnahme entstand am 27. März 1976 um 8.56 Uhr.
Der Dienstag, 23. März 1976, war ein kalter Tag. Die Sonne ließ sich nicht blicken. Der Lokleiter hatte in seinen Unterlagen nachgeschaut und die 044 562-2 zum Heimat-Bahnbetriebswerk nach Ottbergen zurückfahren lassen. Am anderen Tag hatte der Lokkessel Frist: Auswaschtag! Jetzt stand sie auf dem Kanal des Gleises 72 für die Ganzprüfung.  Werkmeister Fritz und ein Schlosser schauen gerade nach, ob bei den Zylinderventilen des mittleren Zylinders alles in Ordnung ist.
Bild oben: Mitten im Gleis 71 stehe ich neben einem Stativ, das der Tonaufnahme der Ganzprüfung diente. (Ich hatte selbstverständlich vorher gefragt, ob ich mich da platzieren dürfe.)  
Insgesamt 7 Baugruppen werden bei der Ganzprüfung kontrolliert: 1. der Kessel und die Kesselausrüstung, 2. das Fahrgestell, 3. die Dampfmaschine (Bild davor mit den Zylinderventilen) 4. das Triebwerk  und 5. die Steuerung. Die zwei letzten Gruppen sind 6. die Schmier- und Zusatzeinrichtungen und 7. der Tender.
Bild unten: Während der Ganzprüfung der 044 569-2 wird auf dem Nebengleis 73 die Schürzenlok 044 067-2 behandelt. Typische Restaurationsvorgänge sind das Kohle fassen, bei gleichzeitigem Ziehen der Lösche. (Unverbrannte Kohlepartikel, die sich in der Rauchkammer - vorderster Teil der Kesselpartie). Danach geht es zum Sandturm, zum Entschlacken und abschließend zum Wassernehmen. In der Modellbundesbahn fahren die Dampflokomotiven diese Stationen selbstverständlich auch an.
Bild unten: Werkmeister Fritz gibt Anweisungen. Der Schlosser greift mit einer langen eisernen Stange an die vorgesehene Stelle. Fritz bildet sich ein Urteil, wie groß das Spiel der Lager ist, ob hier oder da die Werkstatt etwas zu reparieren hat. Dann hält er Details schriftlich auf seinem Notizblock fest.
Toll war auch der freundliche Empfang im Bw. Wir durften frei herumlaufen und erhielten Einblicke in einen uns bis dahin fremden Arbeitsalltag. Beim Rundgang durch den Lokschuppen erzählte mir ein Schlosser in den Ständen 12 bis 15 (ältester Teil des Lokschuppens von 1878): »Ja die Stahlträger hier? Da war oben das Holzdach weggeflogen, durch Sturm. Das ist dann hier erneuert worden. Das war ein kolossaler Sturm in der Nacht und in der Zeit hatte ich gerade Nachtdienst, in der Dreherei. Und dann ein Krach, und dann ist das Dach weggeflogen. Da hab ich gedacht, jetzt schlägt 'ne Bombe ein. Hauptsächlich war das mittlere Dach, also in dem mittleren Schuppen weg, und hier war nur ein Teil davon weg. Die Reparatur hat schon 'ne Zeitlang gedauert, denn das musste ja ein Unternehmer machen. Ich seh‘ den noch heute, der hatte ein Bein ab. Der Unternehmer, der ging mit seinem Holzbein da oben auf dem Dache spazieren. Den hab ich dann immer bewundert«.
Bild unten: 044 256-6 auf der 20,5 Meter langen Drehscheibe. Die Bühne hat ein Sondermaß: 20,5 Meter reichen soeben aus, eine 44er vom Radstand her aufzunehmen. Ihre Pufferträger schauen bereits über den Drehtellerrand hinweg. Im Hintergrund ist die westliche Bahnhofsausfahrt mit dem weiß verputzten Wärterstellwerk Ow (steht für Ottbergen West) zu sehen.
Bild oben: 50er aus Lehrte waren gelegentlich im Bw anzutreffen. Hier einmal im 87fach verkleinerten Bahnbetriebswerk Ottbergen auf der Modellbundesbahn inszeniert!
Das Mitwirken an der Erweiterung der Modellbundesbahn in Brakel ist für mich die natürlichste Fortsetzung meines Interesses an der Dampfeisenbahn, wie ich sie noch 1975-1976 in Ottbergen erlebt habe. Dies gibt mir die Möglichkeit, Modellbahnträume Wirklichkeit werden zu lassen. Die technischen Fortschritte und Möglichkeiten der letzten Jahrzehnten erlauben manches für die Modellbundesbahn um das Zeitfenster des Jahres 1975 zu realisieren, wie immer, am Vorbild orientiert und so genau wie nur möglich nachgebaut.
Solche Pläne wollen durchdacht sein und nehmen viel Zeit in Anspruch, man darf nicht die Stunden zählen. Wenn aber das Ergebnis vorliegt und gut geworden ist, ist die Freude riesig - eine wunderbare Belohnung :-)))
Die Reihenfolge zu dieser Belohnung ist immer dieselbe: Zuerst ist die Idee da. Es folgen die Überlegungen wie diese Idee in einem Modell umgesetzt werden kann, dann die notwendigen Recherchen nach Vorbildfotos. Des Öfteren waren noch manche Besichtigungen vor Ort notwendig. Karl war oft vor Ort für mich, um mir mit Bildern zu helfen.
Der nächste Schritt ist eine 2D-Zeichnungen von allen Ansichten im Maßstab 1/1, dadurch sind die Dimensionen genau die des Vorbilds. Erst danach wird in den Maßstab 1/87 der H0-Spur verkleinert. Damit kann aber noch kein brauchbarer Bausatz erstellt werden. Dazu mache ich ein 3D Modell von sämtlichen Bauelementen und setze sie zusammen und generiere mit meinem Programm ein gerendertes Bild. Stimmt das Ergebnis, werden die Dateien generiert für den 3D Drucker (STL) oder für den Lasercuter (DXF). Oder wie im unten zu sehenden Fall für die Belichtungsfilme, der 15 ständige Ringlokschuppen wurde aus Messing geätzt.
Bild unten: Nein, lieber Bildunterschriftenschreiber. Es ist eine Zeichnung. Eine von mehr als 20 Zeichnungen, die in die Konstruktion des Lokschuppenmodells einflossen.
Bild unten: Die obige Zeichnung entstand noch am Reißbrett. 1996 habe ich den Quantensprung vom Reißbrett zum Computer unterstütztes Zeichnen das sogenannte CAD gemacht. Hier bin ich Ende der 1970er 25 jährig beim Zeichnen eines Schnittes durch eine Lok aus der Baureihe 44 zu sehen.
Wie schön fand ich es, eine unter Druck stehende 44er betrachten zu dürfen. Wenn der Lokführer auf einen der Reparaturstände fuhr und die Lok nicht genau passend abstellte, dann holten die Schlosser den fahrbaren elektrischen Bock. Ich beobachtete, wie sie den vor die Lok stellten. Im Boden waren Löcher mit einem speziellen Haken, um den Bock zu verankern. Mit dessen Seilwinde zogen sie die Lok dann passend. Das ging nur vorwärts, rückwärts mussten sie die Seilwinde von der Drehscheibe nehmen. Bei all den Eindrücken war unser Appetit auf Dampflokomotivenmotive war kaum zu sättigen, und wenn der eigene Hunger zu groß wurde, musste eben die vorgesehene »Not-Ration« einer Tafel Schokolade reichen. So gespartes Geld investierten wir in Filmrollen für den Fotoapparat.
Die Zeit in Ottbergen endete viel zu schnell. Vor unserer Abreise hatten uns die Eisenbahner erzählt, dass die Damplokzeit nicht mehr allzu lange andauern würde. Also bin ich im Oktober 1975 noch einmal für einige Tage nach Ottbergen gereist.
In diesen Tagen wurden die Weichen für die folgenden Jahre gestellt. Ich wurden von den Eisenbahner erkannt: »Ah der Schweizer, wieder einmal da!«. Stunden habe ich mich im Bw frei bewegen können, auch als es schon Nacht war. Es sind unvergessliche Momente, durch nichts zu ersetzen. Heute ist mir klar, das war ein Geschenk, eines der schönsten überhaupt.
Bild unten: Die Gleisanlagen in Ottbergen. Links die westliche Bahnhofseinfahrt mit dem Bahnübergang über die Bundesstraße 64. Hier lag der Gasthof Spalting, wo ich mit meinem Bruder das Quartier bezog. Weiter rechts unten ist im Süden  der Lokschuppen samt Bahnbetriebswerk zu sehen, im Norden schließen sich Bahnsteigs- und Zugbildungsgleise an. Rechts oben der Ablaufberg und das Streckengleis nach Kreiensen, unten rechts der Bahndamm mit der zweigleisigen Bahn nach Northeim.
Trotzdem bedauere ich als junger Mensch, es nicht zu fragen gewagt habe, ob ich auf die Bühne des Wasserturms dürfe, um von dort oben zu fotografieren. Immerhin erhielt ich im Jahre 1981 den Schlüssel, um von der Bühne des ehemaligen Stellwerk Om zu fotografieren. Der Wasserturm war da längst abgerissen und das Bw Ottbergen aufgelöst.
Bild oben: Blick gen Osten von der Beobachtungsbühne des ehemaligen Stellwerks »Om« (Ottbergen Mitte) aus. Zu sehen ist der nördliche Teil des Bahnhofs Ottbergen. Im Mai 1981 standen viele unbenutzte Kesselwagen auf den Gleisen 6 und 7.
Bild oben: Eine halbe Umdrehung und jetzt reicht der Blick gen Westen. Auf Gleis 3 wartet ein Schotterzug. Diesen wird leider keine Dampflok aus dem Bahnhof ziehen, was man fast glauben könnte, sieht doch 5 Jahre nach dem Dampf-Aus noch mit Ausnahme des Bw alles wie früher aus.
Bild oben: Blick aus dem Stellwerk Ow. Mit stampfenden Kräften zweier 44er verlässt der Durchgangsgüterzug Dg 53842 Ottbergen in Richtung Altenbeken. Wie gerne würde ich diese unvergesslichen Momente noch einmal erleben dürfen. Sie sind seit mehr als 45 Jahren Geschichte.
Wenn ich heute zurückdenke, stelle ich mir die Frage, warum ich nach Kanada flog um dort mein Praktikum zu absolvieren? Wäre ich doch meinem Herzen gefolgt und hätte die letzten Wochen des Dampfbetriebs in Ottbergen erlebt. Der Kopf hatte entschieden: Studienzeitplan einhalten, außerdem fehlt Geld für eine Reise nach Ottbergen!
Umso größer war der Schock nach meiner Rückkehr aus Nordamerika, als mir François im September 1976 seine Bilder aus »Schrottbergen« zeigte. Ich erkannte die Eisenbahner auf den Fotos, die ihre noch wenige Monate zuvor gut gepflegten Loks mit dem Schneidbrenner zerlegten. In diesen Momenten entstand die Idee, Ottbergen so zu zeigen, wie es in Erinnerung bleiben sollte: Als die Dampflok noch schnaubte!
Bild unten: »Schrottbergen« und der Schneidbrenner. Erst die Dampflokomotiven, die bis zuletzt gut gepflegt wurden, dann alte Wagen und zum Schluss Bahnbusse. 1979 fand die Verschrottungsorgie ihr Ende, die 1878 eröffnete Lokstation (das spätere Bahnbetriebswerk) hatte wohl der traurigen Umstände wegen niemals seinen 100sten gefeiert. Mit dem Abstellen der Dampflokomotiven am 29. Mai 1976 war es vorbei!
Ob ich einmal selber hätte Lokführer werden wollen? Diese Frage habe ich mir schon gestellt. Trotz aller körperlich harter Arbeit wäre nur die Dampflok infrage gekommen. Dann ja! Aber vielleicht hätte ich noch lieber an der Entwicklung einer Dampflok mitgewirkt. So bin ich als Baujahr 1953 glücklich, immerhin noch den ausklingenden Dampfbetrieb in Westeuropa erlebt zu haben.
Bild unten: Zum Andenken an die Dampflokzeit: eine gekröpfte Achse der Baureihe 44 vor der Volksbank.
Wunderbar ist es, den Zauber der Ottberger Dampflokomotiven weiterleben lassen können - 1/87 verkleinert und zwar mit einem Besuch der Modellbundesbahn in Brakel.  

Unsere nächsten Ziele sind nicht weniger ehrgeizig als das bisher Gemachte: Altenbeken ist ein großer Bahnhof ...

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